Neues Medizin-Gutachten zu Risiken durch 110-kV-Freileitungen alarmiert

michael_kundi.jpg

Behörden und Netzbetreiber haben bisher stets abgewiegelt. Elektrische und magnetische Felder bei den derzeit geplanten 110-kV-Freileitungen lägen angeblich sogar unter den strengen Schweizer Vorsorgewerten. Keine Gefahr also für die Gesundheit der Anrainer? Die Hinweise Betroffener auf Warnungen des Europäischen Rates sowie neuere Studien wurden ignoriert. Doch jetzt macht ein wissenschaftliches Gutachten im Auftrag der niederösterreichischen Gemeinde Kottingbrunn Furore: Die dort quer durch eine Siedlung verlaufende Leitung erhöhe trotz ihrer geringen Auslastung gesundheitliche Risiken.
Aktuell: Gemeindearzt bestätigt Befürchtungen mit eigenen Daten aus den letzten 40 Jahren (siehe Anhang)

Foto: Gutachter Prof. Michael Kundi (MedUni Wien) hat auch für "unsere" Freileitung eine warnende Stellungnahme verfasst, die jedoch behördlich völlig einseitig zitiert wurde.
Bericht in Tips Gmunden (49. Woche) im Anhang

Die Situation in Kottingbrunn, 30 km südwestlich von Wien, ist grotesk: Über 100 Häuser werden direkt von der in den 50er-Jahren gebauten 110-kV-Leitung der Wiener Netze überspannt. Jetzt sollen die in die Jahre gekommenen Leiterseile getauscht werden. Bevölkerung und Gemeinde sagen: 60 Jahre Elektrosmog sind genug. Doch der Netzbetreiber beharrt auf der alten Leitung. Die Bürgerinitiative Aktion Himmelblau organisiert seither den Widerstand und fordert eine Erdverkabelung.

Dringendstes Anliegen: das Risiko von Gesundheitsschäden reduzieren! Da die Wiener Netze sich weigerten, Daten über die Auslastung der Leitung herauszugeben, beauftragte die Gemeinde selbst Experten in Sachen Strahlungsmessung sowie das Institut für Umweltmedizin an der Meduni Wien (siehe Bericht im Kurier). Diese fanden, wenig überraschend, Werte, die sehr wohl bedenklich sind. Das Problem: Es klafft eine Lücke zwischen dem "Stand der Gesetze" und dem Stand der Wissenschaft hinsichtlich der Risiken. Zusammenhänge zwischen Strahlung und Leukämie bei Kindern oder etwa Alzheimer werden immer wieder auch bei niedrigeren Werten gefunden als jenen, die bei der Bewilligung neuer Leitungen gelten. (Gutachten-Auszug im Anhang)

Wörtlich heißt es in der abschließenden Bewertung der Professoren Hans-Peter Hutter und Michael Kundi: "In der medizinischen Gesamtschau … kommen wir zum Schluss, dass selbst bei der offensichtlich nur geringen Auslastung der 110 kV Leitung durchschnittliche Expositionen auftreten, die mit einer Erhöhung gesundheitlicher Risiken verbunden sind. Bei einer stärkeren Nutzung ist mit Belastungen zu echnen, die den auch in Österreich für Beurteilungen maßgeblichen anlagenbezogenen Grenzwert der NISV bei weitem überschreiten. Aus ärztlicher Sicht sind daher Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass der Grenzwert der NISV eingehalten wird und durchschnittliche Flussdichten unter 0,1 μT bleiben." Zu diesem Befund steht etwa das medizinische Gutachten zur 110-kV-Leitung Vorchdorf-Kirchdorf in klarem Widerspruch!

Salzburgleitung: Trickserei selbst bei den geltenden Grenzwerten?
Bei nicht minder fragwürdigen Projekten wie der geplanten 380-kV-Leitung von Salzburg nach Kaprun keimt bei Bürgerinitiativen derweil der Verdacht, dass schon bei der Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung die Gesundheitsbelastung "kleingerechnet" wurde. Der Fall eines Betroffenen, der eigens ein renommiertes Schweizer Institut zu Rate gezogen hatte, erregt nun Aufsehen: Nicht nur, dass der "Schweizer Vorsorge-Grenzwert" bei seinem Wohnhaus klar überschritten würde – nach Aussagen des Initiativensprechers der IG Erdkabel Franz Köck hat der Netzbetreiber außerdem die anzuwendenden Werte auf unzulässige Weise falsch ermittelt und so verharmlost. (Bericht im "Salzburger Fenster")

Die Indizien verdichten sich jedenfalls, dass Behörden im Verein mit der Elektrizitätswirtschaft fahrlässig die klare Empfehlung des Europäischen Rates in den Wind schlagen: die Belastungen durch elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten. Hier ist die Politik dringend gefordert.

 

 

 

AnhangGröße
GUTACHTEN KOTTINGBRUNN AUSZUG.pdf191.53 KB
Tips Gmunden.png191.2 KB
Gemeindearzt bestätigt Gutachten.pdf95.03 KB

Verfasst von 110kV ade am 25. November 2014 - 11:54
Erstellt in


Soziale Netzwerke

Facebook_Fansite.jpg