Wir leben hier anscheinend hinterm Mond

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Ein Blick über den Tellerrand könnte für unsere Politik und die Energie AG Anlass sein, ihre unglaubliche Sturheit und Ignoranz in Sachen Stromversorgung zu überdenken. Da der Wille dazu seit fast drei Jahren komplett fehlt, erlauben wir uns eine kurzgefasste Nachhilfestunde nach der Holzhammer-Methode (Foto) zum Thema „Erdkabelpositionen im Vergleich“…
 

Von Netzbetreibern:

UP.pngSchweiz: „Wir sehen uns im Dienste der Kundschaft und der Bevölkerung. Wenn diese am Ende des Tages die Leitung ganz oder teilweise unterirdisch verkabelt haben wollen, werden wir das tun.“ Dr. Suzanne Thoma, Mitglied der Konzernleitung (Vorstand) der BKW FMB Energie AG, Leiterin des Geschäftsbereiches Netze. Die BKW versorgen über eine Million Kunden und sind der bedeutendste Schweizer Netzbetreiber.

UP.pngDänemark: „Wir haben keine detaillierten ökonomischen Berechnungen vorgenommen, ob Kabel für die Übertragung volkswirtschaftlich billiger sind als Freileitungen. (...) Das Verlegen der Kabel geschieht alleine aus dem politischen Wunsch heraus, die Landschaft zu verschönern.“ Der Leiter der Netzplanung des dänischen Netzbetreibers „Energinet Danmark“, der bis 2030 alle Hochspannungsleitungen verkabeln wird.

UP.pngDeutschland: „Es ist auch der (…) Bürgerbewegung zu verdanken, dass schließlich das Erdkabel den Vorzug vor der Freileitung erhielt.“ Die hessische OVAG preist eine 110-kV-Verkabelung nach „fast 30-jährigem Ringen“ in einer Pressemitteilung vom Oktober 2009.

DOWN.pngBei uns: „Wir werden uns mit solchen Dingen nicht auseinandersetzen.“ Energie-AG-Manager Gerhard Föger im Frühjahr 2010 zum Thema „Alternativen zur 110-kV-Freileitung“.

Aus der Politik:

UP.pngDeutschland: „FÜR Erdkabel sprechen nicht nur Umwelt– und Landschaftsschutzgründe, sondern auch die Interessen des Tourismus und der notwendige schnelle Ausbau des 110-kV-Netzes an den Küsten.“ Bettina Hagedorn (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages

UP.pngSchweiz: (siehe auch PS.) „Durch die Verlegung in den Boden entstünden für die Konsumenten Mehrkosten "nur im äusserst marginalen Bereich". Steiert verweist auf eine Studie der Electricité de France, wonach die Erdverlegung des gesamten Hochspannungsleitungs-Netzes in Frankreich den Strompreis für die französischen Konsumenten lediglich um 1 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh) erhöhen würde.“ Jean-François Steiert, Schweizer Nationalrat

UP.pngDeutschland: „Die Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes würde zum beschleunigten Ausbau der Stromnetze beitragen der dringend notwendig ist. (…) Dies ist auch ein wichtiger Beitrag zur Akzeptanz unter den Bürgerinnen und Bürgern für den Bau solcher Leitungen.“ Ralf Christoffers, brandenburgischer Wirtschaftsminister, zur erfolgreichen Bundesratsinitiative seines Landes, bei 110-kV-Leitungen zukünftig Erdkabel verbindlich vorzuschreiben.

DOWN.pngBei uns: „Ich unterstütze die geplante (Frei-)Leitung. Es gibt keine wirklichen Alternativen. (…)  Die Gegner träumen davon, dass es der Gesellschaft nicht schadet, eine Woche ohne Strom zu sein“. Landtagsabgeordneter Dörfel (ÖVP) fabuliert frei in einem Kommentar zum positiven Landesbescheid.

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UP.pngPS.: Soeben meldet die Neue Zürcher Zeitung ein erneutes prominentes Urteil: Das Schweizerische Bundesverwaltungsgericht hebt eine Freileitungsbewilligung auf, weil die von Beschwerdeführern vorgebrachte Erdkabelalternative nicht ausreichend geprüft worden ist.

 

 

Verfasst von 110kV ade am 23. September 2012 - 15:32
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