Wir lassen nicht zu, dass unser Land das Opfer eines Auslaufmodells wird!

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Klare Worte, und das von einem der angesehensten Medien Europas, der Neuen Zürcher Zeitung: Strommasten als Auslaufmodell, Trendwende zum Kabel, zugleich "Maulkorb der Stromwirtschaft" – für Kabelhersteller nämlich, die genau wissen, was möglich ist, dies aber nicht publik machen sollen. Wir wissen: Das gilt nicht nur in der Schweiz... Mehr unter "Weiterlesen", und den NZZ-Artikel gibts im Anhang.

Einer regionalen Bürgerinitiative, die angeblich zwar den Strom, aber bloß die Masten nicht vor der Haustür haben will, wird ja oft nicht geglaubt, aber dann vielleicht einer Zeitung, die für ihre Seriosität seit 230 Jahren weltweit geachtet ist: Hochspannungsmasten sind ein Auslaufmodell! Nur, dass die Stromwirtschaft diese Erkenntnis mit aller Macht unterdrückt. Wider besseres Wissen, denn informiert sind ihre Techniker – so etwa DI Wolfgang Angerer von der Energie AG Netz. Er traf erst kürzlich auf einer Expertentagung im Wiener Marriott Hotel auf den deutschen "Kabelpapst" Prof. Heinrich Brakelmann von der Universität Duisburg-Essen.

Auch Brakelmann wird von der NZZ zitiert: Er hat soeben in einem Gutachten die Möglichkeit eines Erdkabls im schweizerischen Aargau bestätigt – und zwar im technisch anspruchsvolleren Hochstspannungsbereich. Eine betroffene Gemeinde dort wird mithilfe dieses Gutachtens jetzt vor ein Bundesgericht ziehen, um zumindest eine Teilverkabelung durchzusetzen.

Dänemark: Alle Freileitungen unter die Erde bis 2030!

Nicht nur im deutschsprachigen Bereich tun sich die Netzkonzerne immer schwerer, neue Freileitungen in die Landschaft zu stellen. Nahezu gegen jede Trasse erhebt sich Widerstand. Erdverkabelungen dagegen sind offenbar weithin akzeptiert. Kaum jemand ist bereit, Mastenwälder hinzunehmen, wenn zugleich immer klarer wird, dass hinter den Bedenken der Stromversorger gegen Erdkabel kaum mehr steckt als Gewinnabsicht. Doch auch in diesem Punkt rechnet Brakelmann vor, dass z.B. allein der Zeitverlust durch jahrelange Streitereien ein meist unterschlagener Kostenfaktor ist. Manchmal sei das Kabel sogar ohnehin billiger.

Die Nachrichten sind denn auch international für die Konzerne bedenklich. So hat Dänemark sich zu einem gesetzlich abgesicherten Masterplan entschlossen, wonach binnen knapp 20 Jahren alle Hochspannungsleitungen – auch die bestehenden – unter die Erde verschwinden sollen. Währenddessen erhält der bereits flächendeckende Widerstand in Deutschland durch die massiven Ausbaupläne und deren wenig diplomatische Ankündigung neue Nahrung. 

"Neben jeder Hochspannungsleitung entlang der Autobahnen und quer durch unser Land müssen noch vier weitere neue stehen,"

...eröffnete Eon-Chef Johannes Teyssen kürzlich den Teilnehmern einer Fachkonferenz in Köln seine Perspektiven (gekürzte Fassung hier). Nur so lasse sich Stromangebot und -nachfrage im Bereich erneuerbarer Energien regeln. Argumentiert wird hier zunehmend mit dem Klimaproblem. Ausgeblendet wird dabei jedoch, dass es eine Sackgassenstrategie ist, mit immer monströserer Technik die Auswüchse der Wachstumsideologie in den Griff bekommen zu wollen.

Somit wären wir wieder beim Ausgangspunkt: Wir werden nicht als einer der letzten Gestrigen eine Freileitung in die Landschaft setzen lasssen, wenn ein Erdkabel möglich ist. Und selbst ein Erdkabel ist noch ein Kompromiss. Besser wäre es, überhaupt intelligenter mit dem Strom umzugehen – bei der Erzeugung genauso wie beim Verbrauch!

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Verfasst von 110kV ade am 22. Oktober 2010 - 11:50
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