Offener Brief an Herndl: Sie haben nicht nur die Bauern verraten

Mit einer harschen Reaktion kontert eine betroffene Landwirtin auf die Unterzeichnung des Optionsvertrags durch Kammerpräsident Hannes Herndl. Neben Verrat an den Grundeigentümern, die sich samt fast 2000 Unterstützern und den Gemeinden gegen die Freileitung ausgesprochen haben, wirft sie Herndl vor, seinen eigenen Forderungen zum Thema Biomasse zuwiderzuhandeln.

Sehr geehrter Landwirtschaftskammerpräsident Herndl!

 

Ihr Artikel „Mehr Mut zur Biomasse ist notwendig“ (Bauernzeitung 20. Juli 2010) ließe eigentlich vermuten, dass Sie voll für den Einsatz erneuerbarer Energien stehen – wäre da nicht die eine schlimme  Sache: Sie haben den Optionsvertrag für die 110-kV- Hochspannungsleitung unterschrieben, obwohl Sie von den Ortsbauernobmännern eindringlich gebeten wurden, diesen nicht zu unterschreiben.
Mit Ihrer Unterschrift haben Sie nicht nur die Bauern verraten, sondern Sie verhindern gleichzeitig die Entstehung neuer Projekte in diesem Gebiet. Sie hätten die einmalige Chance gehabt zu zeigen, wie Sie zu „Ihren“ Bauern stehen und gemeinsam mit diesen an der bereits in Planung stehenden Modellregion Almtal mitzuwirken. Die Region hätte eigentlich das ehrgeizige Ziel gehabt, energieunabhängig zu werden. Ressourcen wären ja ausreichend vorhanden. Hätte sich dann herausgestellt, dass nach Nutzung aller vorhandenen Ressourcen noch eine 110-kV-Leitung benötigt worden wäre, hätten die Grundbesitzer die Zustimmung sicher nicht verweigert.
Mit Ihrer Unterschrift haben Sie all diese Pläne zunichte gemacht. Oder glauben Sie wirklich, wenn die Energie AG in Riedersbach die bereits geplante 400 MW mit Erdgas betriebene Kraft-Wärme-Kopplung in Betrieb nimmt, dass dann noch irgendwelche Projekte im Almtal  entstehen können?(Als kleine Anmerkung: Die Abwärme in  Riedersbach wird dann selbstverständlich wie in Timelkam in die Luft geblasen. So viel zum Thema Energieeffizienz!)
Die Biogasanlagenbetreiber müssen vorweisen, wie sie die Wärme (was ich auch als sinnvoll erachte) verwerten. Übrigens Abfall in diesem Fall: Abwärme, die in der Luft vernichtet wird, entsteht nur, wenn man am falschen Ort das Falsche produziert.
Ich habe die Nase voll von Politikern, die sich Landwirtschaftsvertreter nennen und in Wirklichkeit zusehen, wie die Landwirtschaft tagaus tagein über den Tisch gezogen wird. Im Übrigen möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass ich meine Mitgliedschaft beim Bauern- und Nebenerwerbsbauernbund mit heutigem Datum kündige. Meine Kinder sagen nämlich, ich zahle Mitgliedsbeitrag bei einem „Verein“ (ÖVP) der mithilft, den Bauern das „Wasser abzugraben“.Ich erwarte innerhalb von 5 Tagen eine Rückantwort, wie Bauernvertreter zu Bauern stehen.
Mit freundlichen Grüßen
Zauner Christine  

 

Verfasst von 110kV ade am 27. Juli 2010 - 11:52
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