Bewilligungsverfahren: Strategie "Augen zu und durch"?

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Stopp für die beantragte Freileitung der Energie AG oder ein Schuss vor den Bug der Betroffenen, die sich dagegen wehren und ein Erdkabel fordern? – Die viele hundert Seiten umfassende "Verhandlungsschrift" sendet unterschiedliche Signale aus. So blamieren sich etwa die Amtssachverständigen für Elektrotechnik mit angeblichen Problemen einer bestimmten Erdkabelvariante, die so niemand gefordert hat. Die Energie AG beharrt auf dem Fazit des Gutachtens der TU Graz, das ihre Freileitung bevorzugt, turnt sich aber mit beredtem Schweigen darüber hinweg, dass das vorgeschlagene Erdkabel auch für das Gutachten eine praktikable Lösung der Stromversorgungsprobleme darstellt. Spitze der Skurrilität: Anwälte der Energie AG bestreiten rundweg, dass überhaupt Einwendungen vorliegen.

Dem stehen nach wie vor gutachterliche Stellungnahmen entgegen, die von der Initiative "110 kV ade!" eingeholt wurden. Inwieweit neue rechtliche und fachliche Argumente überhaupt vorliegen, prüfen Experten derzeit. Entsprechende weitere Stellungnahmen müssen dem Land als Bewilligungsbehörde bis zum 3. Oktober vorgelegt werden.

Aufschlussreich sind aber auch die jetzt im Detail bekannten Bedenken öffentlicher Instanzen auf Bezirks- und Landesebene. Sie bestätigen eine Reihe von Befürchtungen, die von den Betroffenen von Anfang an geäußert wurden. So warnen etwa Forstfachleute eindringlich vor Folgeschäden durch die Schneisen, die eine Freileitung in bisher geschlossene Waldbestände reißen würde.

Widerstand wird nicht nachlassen: Forderung nach Erdkabel bleibt

Angesichts des europaweiten Trends zur Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen – auf der 110-kV-Ebene längst Stand der Technik – sind die Betroffenen im Alm- und Kremstal entschlossen, nicht "letzte Opfer einer unnötigen Freileitung" zu werden. Dies bestätigte sich bei neuerlichen Ortsversammlungen der Grundeigentümer, die Parteienrechte im Verfahren haben. Offenbar ist es der Energie AG auch nur in wenigen Einzelfällen gelungen, Gegner aus der geschlossenen Front herauszubrechen – trotz immer noch wachsender finanzieller "Verlockungen" für diejenigen, die Ja zur Freileitung sagen. 

Wachsendes Unverständnis herrscht bei den Betroffenen darüber, dass seitens der Landespolitik immer noch keine klaren Signale gegenüber der Energie AG gesendet werden. Es herrscht der Eindruck vor, dass Beamte ausbaden müssen, wozu Politiker sich nicht durchringen können: und zwar zu entscheiden, ob massive Schäden für Mensch, Natur und Umwelt nicht schwerer wiegen als maximal 2 Euro jährlich zusätzlich für den einzelnen Stromkunden. Das nämlich wäre der Preis für das Erdkabel.

 

 

Verfasst von 110kV ade am 8. September 2011 - 14:09
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